Es gibt keine Probleme, nur Herausforderungen

Es gibt keine Probleme, nur Herausforderungen. Viele kennen diesen Spruch. Auch mir ist er nicht unbekannt. Was er jedoch wirklich für mich bedeutet, durfte ich neulich bei unserer Wanderung in den Allgäuer Alpen erleben. Es war unser erster Wandertag, als Thomas und ich von Obermaiselstein, nicht weit gelegen von Oberstdorf, unsere Wanderung auf den 1600 Meter hohen Wannenkopf antraten. Die Route wurde auf der Wander-App als „mäßig schwierig“ beschrieben, doch schon der Anstieg war eine absolute Tortur, da es eine Stunde lang einfach nur gnadenlos steil bergauf ging.

Oben angekommen wurden wir allerdings entschädigt: Der Ausblick war absolut faszinierend und zog uns sofort in seinen Bann. Doch so wunderschön das Panorama auch war, am Ende wurde die gesamte Tour eine echte Grenzerfahrung für uns – besonders für mich.

Bei unserem Abstieg sagte ich in einem Moment der Verzweiflung zu mir: Es gibt keine Probleme, nur Herausforderungen.

Als ich diesen Satz lautlos in den kalten Bergwind sprach, spürte ich, wie sich etwas in mir veränderte. Meine Knie zitterten von dem steilen Abstieg, der uns über ein Hochmoor, durch einen dichten Wald mit Schnee und über Stock und Stein führte. Ich war an diesem Punkt fast über meine Grenzen gekommen. Der Pfad vor uns war rutschig, und nicht nur der Rucksack, sondern auch die Erschöpfung des harten Aufstiegs drückte schwer auf meine Schultern. In genau diesem Moment der totalen Überforderung erinnerte ich mich an einen Ort, an dem ich – vielleicht nicht in diesem Ausmaß – , aber ein ähnliches Gefühl schon einmal erlebt hatte, wenn auch in einem geschützten Rahmen: auf meiner Yogamatte.

Wie Yoga mich vor dem Aufgeben rettete

In der Theorie ist Yoga Entspannung. In der Praxis ist es manchmal das bewusste Aushalten von unbequemen Positionen. Und genau dieses Training von Körper und Geist wurde im Allgäu zu meinem Rettungsanker.

  • Die Kraft des Atems (Pranayama): Anstatt in Panik oder Schnappatmung zu verfallen, als der Weg immer steiler wurde, besann ich mich auf meine Yoga-Praxis. Ich begann, tief und kontrolliert in den Bauch zu atmen. Jeder Atemzug holte mich zurück ins Hier und Jetzt und versorgte meine brennenden Muskeln mit frischer Energie.
  • Fokus statt Fassungslosigkeit: Im Yoga lernt man, den Blick auf einen festen Punkt zu richten, um die Balance nicht zu verlieren. Genau das tat ich beim Abstieg. Ich schaute nicht mehr verzweifelt auf das scheinbar endlose Tal, sondern konzentrierte mich nur noch auf den nächsten, sicheren Tritt vor mir.
  • Mentale Resilienz: Eine lange gehaltene Asana (Yoga-Haltung) kann wehtun. Man lernt dabei, dem Impuls des sofortigen Aufgebens zu widerstehen. Am Wannenkopf half mir diese mentale Stärke, den Schmerz in den Beinen zu akzeptieren, statt mich von ihm beherrschen zu lassen.

Der Schritt zurück ins Tal

Dank dieser inneren Einkehr verlor der Abstieg langsam seinen Schrecken. Schritt für Schritt, Atemzug für Atemzug, arbeiteten wir uns den Berg hinunter. Die Tiefenmuskulatur und die Balance, die ich mir durch die Yoga-Einheiten angeeignet hatte, fingen die unebenen Tritte auf dem gerölligen Pfad perfekt ab.

Als wir schließlich wieder im Tal ankamen und ich auf den Wannenkopf zurückblickte, war da kein Gefühl von Erleichterung über ein „überstandenes Problem“. Es war purer Stolz auf eine gemeisterte Herausforderung.

Mir wurde bewusst, dass Yoga nicht auf der Matte in einem geschützten Yogaraum endet. Es ist eine Technik für das echte Leben – und die beste Vorbereitung auf die steilen Pfade, die uns die Natur (und das Leben) mit auf den Weg gibt.

Namasté Tanja

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