Neulich durfte ich mit meiner Yogagruppe eine ganz besondere Stunde erleben. Claudia, eine meiner Kursteilnehmerinnen und ihre Kollegin Joanne führten uns mit viel Feingefühl in die Welt der ätherischen Öle ein, und gemeinsam verbanden wir Duft, Asana-Praxis und Klang zu einer tiefgehenden Erfahrung. Schon beim Ankommen war spürbar: Yoga und Aromatherapie – diese Stunde würde anders sein.
Die Verbindung von Atem, Duft und Bewegung
Im Yoga spielt der Atem eine zentrale Rolle. Düfte wirken ebenfalls direkt über den Atem – sie erreichen ohne Umwege unser limbisches System, also den Bereich im Gehirn, der für Emotionen und Erinnerungen zuständig ist. Wir verbanden ausgewählte ätherische Öle mit abgestimmten Asanas. Die Wirkung war intensiver, bewusster. In diesem Beitrag möchte ich diese besondere Reise von Yoga und Aromatherapie mit euch teilen.
Die Magie der Verbindung
Was diese Stunde so besonders machte, war nicht nur die Auswahl der Öle:
- Zirbelkiefer – Klarheit & Ankommen
- Achtsame Fußmassage
- Tulsi (Heiliges Basilikum) & Wurzelchakra – Erdung und Urvertrauen
- Kristallklangschale & Wurzelchakra – Schwingungen, die tragen
- Orange & Sakralchakra – Lebensfreude und Fluss
- Achtsame Handmassage
- Lavendel & Kehlkopfchakra – Kommunikation und Weite
- Zeder & Herzchakra – Schutz, Halt und Herzöffnung
- Ein blumiger Ausklang – Rose, Erfrischung und Lebensfreude
Es war die bewusste Verbindung von:
- Körperarbeit
- Atem
- Duft
- Klang
- Energiearbeit
Zirbelkiefer – Klarheit & Ankommen

Zu Beginn begleitete uns Zirbelkiefer. Ihr frischer, waldiger Duft wirkte wie ein reinigender Atemzug inmitten der Natur. Während wir daran schnupperten, entstand sofort ein Gefühl von Präsenz und innerer Weite. Die Gedanken wurden ruhiger, der Körper wacher. Zirbelkiefer wirkt besonders klärend und zentrierend. Sie unterstützt den Geist dabei, stiller zu werden, und hilft, bewusst im Hier und Jetzt anzukommen. In dieser Anfangsphase der Stunde half der Duft, sich aus dem Alltag zu lösen und die Aufmerksamkeit nach innen zu lenken.
Zirbelkiefer bildet den perfekten Einstieg in eine Yogastunde. In Verbindung mit Yoga schafft sie einen Moment des klaren Ankommens, in dem Körper, Geist und Sinne sich öffnen und bereit sind für die tiefere Reise durch die Chakren.
Achtsame Fußmassage
Anschließend, gönnten wir uns einen besonderen Moment: eine achtsame Fußmassage. Die Füße sind unser Fundament, die Verbindung zur Erde – und oft schenken wir ihnen im Alltag nur wenig Aufmerksamkeit. In dieser kurzen, bewusst gestalteten Phase wurden sie liebevoll massiert, mit Öl verwöhnt und sanft gedrückt. Jede Berührung wirkte wie ein stiller Anker: Wir spürten, wie Anspannung aus den Fußsohlen, Fersen und Zehen floss, während gleichzeitig Energie und Aufmerksamkeit zurückkehrten.Es war, als würde der Körper schon jetzt spüren:
„Hier darf ich ankommen, mich tragen lassen, verwurzeln.“
Für mich ist diese Fußmassage nicht nur eine körperliche Entspannung – sie ist ein Symbol für Achtsamkeit und Selbstfürsorge. Sie schenkt Stabilität, Erdung und die sanfte Erinnerung, dass wir uns selbst ebenso pflegen dürfen wie andere. Dieser Moment bereitete uns auf die folgende Praxis vor – auf die Arbeit mit Tulsi, Orange, Lavendel und Zeder, auf Chakrenarbeit, Bewegung und Atem – und schenkte uns einen ruhigen, getragenen Start in die Stunde.
Tulsi & Wurzelchakra – Erdung und Urvertrauen
Mit Tulsi (Heiliges Basilikum) tauchten wir tiefer in unsere Praxis ein. Schon beim Einatmen des sanften, würzigen Dufts spürte ich, wie Ruhe und Klarheit den Raum erfüllten. Tulsi trägt eine kraftvolle, stabilisierende Energie in sich – sie klärt, schützt und schenkt Stabilität auf körperlicher, emotionaler und geistiger Ebene.
Genauso steht das Wurzelchakra für Urvertrauen, Stabilität und Erdung. Ist es im Gleichgewicht, fühlen wir uns sicher, getragen und verbunden mit dem Leben.
In Hastapadasana, der Vorwärtsbeuge im Sitzen, konnten wir diese Wirkung besonders spüren. Während wir die Hüften leicht nach vorne kippten und den Oberkörper über die Beine senkten, verbanden wir uns bewusst über die Rückseite der Beine – Oberschenkel, Waden und Fußsohlen – mit der Erde und atmeten den Duft des Öls auf unseren Füßen ein. Jede Ausatmung schien Spannungen und Unruhe aus dem Körper zu lösen, jede Einatmung vertiefte die Verwurzelung, ließ Stabilität und inneren Halt wachsen.
Der Duft von Tulsi, die Dehnung der Muskeln und die Konzentration auf den Atem verschmolzen zu einem Moment von stiller Erdung. Ich spürte, wie Ruhe und Zentrierung nicht nur im eigenen Körper, sondern auch in der ganzen Gruppe widerhallten – ein Gefühl von getragen sein, tief verbunden mit der Erde und gleichzeitig voller innerer Stärke.
Kristallklangschale & Wurzelchakra – Schwingungen, die tragen

Im Anschluss begleitete ich die Gruppe mit einer Kristallklangschale, speziell zum Beleben des Wurzelchakras (Muladhara). Die tiefen, klaren Schwingungen erfüllten den Raum und vibrierten spürbar durch die Matten, durch unsere Körper und durch die Atmosphäre selbst. Gleichzeitig mischte sich der Duft von Tulsi mit den Klängen. Die Kombination aus Duft und Klang wirkte wie eine Einladung:
„Lass los, komme an, du bist getragen.“
Während die Schwingungen sanft durch den Raum flossen, konnte man spüren, wie Körper und Geist in Resonanz gingen.Die Teilnehmerinnen wurden ruhiger, bewusster, innerlich stabiler. Jeder Atemzug schien die Erdung zu vertiefen, jede Einatmung füllte das Wurzelchakra Sicherheit und Lebenskraft. Es war ein Moment der tiefen Präsenz: Klang und Duft öffneten nicht nur die Sinne, sondern berührten das Energiefeld jedes Einzelnen.


Orange & Sakralchakra – Lebensfreude und Fluss
Nach der tiefen Erdung öffneten wir den Raum für Leichtigkeit und Kreativität – mit einem klaren Fokus auf das Sakralchakra (Svadhisthana). Dieses zweite Chakra steht für Fühlen, Genießen, Lebensfreude und kreativen Ausdruck.
Begleitet von Orange wurde die Praxis sofort weicher, fließender und lebendiger. Der warme, sonnige Duft des Öls schien jeden Atemzug zu beleben und Freude in den Raum zu bringen – fast so, als hätte der Sommer selbst Einzug gehalten. Mit sanften Hüftöffnungen wie dem Schmetterling (Baddha Konasana) und dem Winkelsitz (Upavistha Konasana) aktivierten wir bewusst das Sakralchakra. Jede Bewegung fühlte sich wie eine Einladung an, Gefühle wahrzunehmen, loszulassen und die eigene Lebensenergie bewusst zu spüren.
Während wir die Asanas hielten, wurde spürbar, wie der Duft die Emotionen unterstützte: Die Kombination aus Bewegung, Duft, Chakra-Ausrichtung und der sommerlichen Leichtigkeit ließ die Gruppe offener, lebendiger und fröhlicher werden. Es war ein Moment, in dem Kreativität, Sinnlichkeit und innere Freude eins wurden – im Sinne von:
Alles fließt.
Achtsame Handmassage

Dazwischen schenkten wir uns eine achtsame Handmassage – gegenseitig, mit einem angenehm duftendem Öl. Es war eine kleine, einfache Geste, die jedoch eine spürbare Wirkung entfaltet hat: Schon nach den ersten Berührungen breitete sich im Raum eine Atmosphäre von Vertrauen, Nähe und Verbundenheit aus.
Während wir die Hände der anderen sanft massierten, spürte man, wie Berührung und Duft gleichzeitig die Sinne öffneten. Es war, als würde die einfache Geste der Handmassage nicht nur die Hände nähren, sondern auch die Seele berühren. Jede Berührung vertiefte das Vertrauen in die Gruppe und öffnete zugleich einen Raum für Achtsamkeit, Ruhe und Präsenz. Ich spürte, wie sich die Verbindung zwischen Körper, Herz und Sinne intensivierte – eine perfekte Einstimmung auf die weitere Arbeit mit Düften, Chakren und Asanas.
Lavendel & Kelhkopfchakra – Kommunikation und Weite
Mit Lavendel kehrte eine sanfte Ruhe ein. Angelehnt an unsere besondere Reise durch die Welt der ätherischen Öle – stand Lavendel im Mittelpunkt. Als zentrale Haltung wählte ich die Schulterbrücke (Setu Bandha Sarvangasana).
Für mich ist sie eine wunderbare Brücke – im wahrsten Sinne des Wortes – zwischen Herz und Kehle. In der Haltung hebt sich der Brustraum, der Hals öffnet sich sanft, und der Atem darf frei fließen. Während wir die Position hielten, lud ich die Gruppe ein, bewusst in den Kehlraum zu atmen. Den Lavendel wahrzunehmen. Weite entstehen zu lassen.
Energetisch verbindet die Schulterbrücke das Fühlen (Herzchakra) mit dem Aussprechen (Kehlkopfchakra). Ich hatte den Eindruck, dass genau diese Verbindung spürbar wurde. Ich lenkte den Fokus bewusst auf das Kehlkopfchakra (Vishuddha) und verband die Duftarbeit mit der Asana Schulterbrücke (Setu Bandha Sarvangasana). Der Lavendelduft wirkte ausgleichend, beruhigend und harmonisierend – wie eine liebevolle Umarmung zum Ende der aktiveren Praxis.Lavendel, Kehlkopfchakra und Schulterbrücke. Gerade in Verbindung mit dem Kehlkopfchakra empfinde ich Lavendel als wunderbaren Begleiter: Er nimmt die innere Anspannung, die uns oft am Sprechen hindert.
Während der Duft sich im Raum entfaltete entstand Weite im Halsraum – noch bevor wir in die eigentliche Asana gingen. Lavendel in Verbindung mit dem Kehlkopfchakra und der Schulterbrücke hat mir einmal mehr gezeigt, dass Ausdruck nicht laut sein muss, um kraftvoll zu sein.


Zeder & Herzchakra – Schutz, Halt und Herzöffnung
Der warme, holzige Duft der Zeder schenkt Ruhe und Geborgenheit – wie ein unsichtbarer Schutzmantel. Sie stärkt die Erdung, vermittelt Halt und lässt uns spüren:
Ich bin sicher. Ich bin getragen.
In Verbindung mit dem Herzchakra übten wir die Asana „Sich öffnen und schließen“: Beim Öffnen des Brustraums weitet sich das Herz, Vertrauen und Lebendigkeit dürfen fließen. Beim sanften Schließen entsteht Zentrierung und Schutz. Zeder unterstützt diesen Rhythmus – sie gibt Stabilität, während das Herz sich öffnet.
In ihrer Wirkung spürt man: Schutz ist nicht etwas, das von außen kommen muss. Er entsteht, wenn wir uns mit unserer eigenen inneren Stabilität verbinden – und Zeder hilft uns genau dabei.
Zeder wirkte wie ein energetischer Anker: Sie half, die Erdung aus den vorangegangenen Übungen zu festigen und die gewonnene Klarheit, Präsenz und Lebendigkeit zu integrieren. Körper, Atem und Energie wurden zu einer Einheit, und die Wirkung der gesamten Stunde – Düfte, Chakrenarbeit, Asanas, Klang und Berührung – konnte sich auf sanfte Weise im Körper und Geist verankern.
Es war ein Moment des bewussten Raum haltens, in dem jede Teilnehmerin noch einmal spüren konnte: getragen, innerlich weit und offen für Neues zu sein – bereit, die Herzöffnung aus der Praxis mit in den Alltag zu nehmen.
Ein blumiger Ausklang – Rose, Erfrischung und Lebensfreude

Zum Abschluss der Stunde wurden wir von einer ganz besonderen Geste verwöhnt: ein Getränk aus Claudias Rosengarten. Es bestand aus zarten Rosenblütenblättern, Apfelessig, Honig und sprudelndem Mineralwasser. Schon der erste Schluck wirkte erfrischend, belebend und leicht – eine perfekte Abrundung nach der intensiven Praxis von Duft, Bewegung, Klang und Berührung.
Last but not least leitete ich eine Tiefenentspannung (Yoga Nidra) mit dem Thema Rose an. Der Duft der Vorstellung, die zarten Blütenblätter, die sich in Gedanken entfalten, öffnete noch einmal Herz und Sinne. Es war ein Moment des Innehaltens, in dem wir alle die Praxis nachklingen lassen konnten. Jede Teilnehmerin durfte spüren, wie die Wärme, die Energie und die Achtsamkeit der Stunde sich sanft im Körper und Geist verankerten.
Als wir den Raum verließen, war spürbar: Lebensfreude, Leichtigkeit und neue Inspirationen begleiteten uns. Die Mischung aus Bewegung, Duft, Klang, Berührung und der kleinen süßen Geste der Rose hinterließ ein Gefühl von Ganzheit, innerer Balance und einem offenen, klaren Herzen – eine Erinnerung daran, wie sehr kleine Rituale und achtsame Momente den Alltag bereichern können.
Mein persönliches Fazit
Diese Erfahrung hat mir erneut gezeigt, wie kraftvoll Yoga in Kombination mit anderen ganzheitlichen Methoden sein kann. Aromatherapie ist keine „Ergänzung“, sondern kann – achtsam eingesetzt – eine tiefe Dimension eröffnen. Ich bin dankbar für diese besondere Stunde, die uns Claudia und ihre Joanne beschert haben. Und ich bin dankbar für die Offenheit meiner Gruppe. Vielleicht war es nicht nur eine Yogastunde. Vielleicht war es eine Erinnerung daran, wie sehr wir über unsere Sinne mit der Natur verbunden sind. Eine ganzheitliche Erfahrung, die weit über eine klassische Yogastunde hinausging.
Namasté Tanja
